OpenAI hat mit GPT-6 Cyber ein neues KI-Modell vorgestellt, das gezielt auf das Aufspüren und Ausnutzen von Sicherheitslücken trainiert wurde. Als Variante des Spitzenmodells GPT-6 Astra übertrifft es laut OpenAI sowohl den Vorgänger GPT-5.6 Cyber als auch Astra bei den meisten Cyber-Aufgaben. Aufgrund seines Potenzials stuft das Unternehmen das Modell im Preparedness Framework als „Critical“ ein, was die höchste Risikostufe darstellt. Damit steigt die Risikobewertung im Vergleich zum Vorgängermodell, das eine Stufe niedriger eingestuft war.
Die Leistungsfähigkeit des Modells zeigt sich in beachtlichen Zahlen: GPT-6 Cyber identifizierte 81 bisher unbekannte Sicherheitslücken in Firefox, die Mozilla als schwerwiegend einstufte und größtenteils behob. Zudem entwickelte die KI funktionierende Exploits für 948 Schwachstellen im Linux-Kernel sowie eine kritische Lücke im Google-Kompressionsverfahren Brotli, die Schadcode aus der Ferne ausführen lässt. OpenAI betont, dass alle diese Lücken an die Betreiber gemeldet und bereits geschlossen wurden.
Um Missbrauch zu vermeiden, beschränkt OpenAI den Zugang auf einen kleinen Kreis innerhalb des Trusted-Access-Programms. Nur Kund:innen in der Stufe „Daybreak Red“ für offensive Sicherheitsarbeit sowie eine spezielle Gruppe für Betreiber kritischer Infrastrukturen können das Modell über die API und Codex nutzen. Flankierend kündigt das Unternehmen eine Milliarden-Dollar-Initiative für Sicherheitsfachleute an, um etwa die Strom- und Wasserversorgung zu schützen. Eric Wallace, Forscher bei OpenAI, erklärte laut TechCrunch, dass ein erheblicher Teil der Frontier-Rechenleistung für die Behebung von Schwachstellen eingesetzt werde.
Trotz der Sicherheitsvorkehrungen gibt es Kritik aus der Fachwelt. Max Justicz, Technikchef von Charge Robotics, bezeichnet den Zugang über die defensive Stufe „Daybreak Blue“ als „nerfed“ bzw. künstlich geschwächt. Während OpenAI-Modelle in Tests nun nur noch in 0,07 Prozent der Fälle außerhalb des Auftrags angreifen – im Vergleich zu 5,51 Prozent beim Vorgänger –, warnen Experten vor einem Ungleichgewicht. Während Verteidiger beschnittene Modelle nutzen, könnten Angreifer auf offene Modelle wie das chinesische GLM-5.3 zurückgreifen, welches laut Anthropic ähnliche Exploits ohne Schutzmechanismen erstellt.



