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Bildung in der Warteschleife: UNHCR drängt Geber zu höheren Zusagen

08.10.2026


Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR warnt vor einer sich zuspitzenden Bildungskrise für Millionen Kinder auf der Flucht. Nach aktuellen Zahlen besuchten im vergangenen Jahr rund 5,8 Millionen Flüchtlingskinder keine Schule. Damit blieb 44 Prozent der insgesamt gut 13 Millionen Kinder und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter der Zugang zu Bildung verwehrt. Hilfsorganisationen sehen die Entwicklung mit Sorge – nicht zuletzt, weil sich die globale Finanzierungslage rapide verschlechtert.

Besonders groß sind die Hürden beim Übergang in weiterführende Schulen. Während knapp zwei Drittel der Flüchtlingskinder im Grundschulalter eine Grundschule besuchen, sind in der Sekundarstufe nur etwa ein Drittel eingeschrieben. Nach UNHCR-Angaben liegt die Einschulungsquote an Sekundarschulen bei 32 Prozent. Der Rückgang trifft Mädchen überproportional: Zwar sind Jungen und Mädchen in der Grundschule noch in etwa gleich stark vertreten, doch in der Sekundarstufe bricht der Anteil der Mädchen ein. Armut, Sicherheitsrisiken, Frühehen und andere Belastungen führen demnach dazu, dass immer mehr Mädchen den Unterricht abbrechen.

UN-Flüchtlingskommissar Barham Salih verbindet die nüchternen Zahlen mit einer persönlichen Mahnung. Bildung habe ihm Chancen eröffnet, die ihm durch Vertreibung sonst möglicherweise verwehrt geblieben wären, erklärte der aus dem Irak stammende frühere Präsident. Salih, der als Kind selbst eine Flüchtlingsschule besuchte und später in Großbritannien studierte, bezeichnet Bildung als Schutzfaktor und als Weg zu neuen Möglichkeiten und Selbstständigkeit. In einem neuen Bericht ruft das UNHCR die Geberstaaten auf, die Investitionen in die Bildung von Vertriebenen zu erhöhen.

Der Appell kommt in einer Phase erheblicher finanzieller Engpässe. Nach UNHCR-Angaben benötigt das Flüchtlingshilfswerk in diesem Jahr 8,5 Milliarden US‑Dollar, um Geflüchtete zu schützen und zu unterstützen. Bis Ende Juli waren jedoch lediglich 2,7 Milliarden Dollar zugesagt – knapp ein Drittel des Bedarfs. Bereits Anfang der Woche hatte die Organisation gewarnt, dass wegen der massiven Kürzungen bei den Hilfsgeldern bis zu 8,3 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene den Zugang zu lebenswichtiger Unterstützung verlieren könnten. Neue Einschnitte, so die Befürchtung, würden sich unmittelbar im Bildungsbereich bemerkbar machen und weitere Millionen Kinder aus den Klassenzimmern drängen.

Trotz dieser widrigen Rahmenbedingungen verzeichnet das UNHCR einzelne Fortschritte im tertiären Bereich. Erstmals setzten 2025 mehr als 450.000 junge Geflüchtete ihre Ausbildung an Hochschulen oder in beruflichen Bildungsgängen fort. Das entspricht nach UNHCR-Angaben einem Anteil von elf Prozent aller Flüchtlingskinder und ‑jugendlichen und damit einem leichten Anstieg gegenüber neun Prozent im Vorjahr. Hilfswerke sehen darin einen Beleg, dass Investitionen in Bildung Wirkung zeigen können – warnen zugleich aber, dass ohne zusätzliche Mittel selbst diese bescheidenen Erfolge nicht zu halten sein werden.